⚡ HomelabVergleich

Backups mit Restic, Borg und Kopia: lokale Snapshots, Offsite-Kopien und Wiederherstellung im Vergleich

Restic, Borg und Kopia dominieren die datenschutzfreundliche Datensicherung auf eigenen Systemen. Alle drei erzeugen verschlüsselte, deduplizierte Snapshots und lassen sich ohne Cloud-Zwang betreiben - für ein kleines Homelab ebenso wie für eine Firma mit 10 bis 30 Mitarbeitern. Die Unterschiede liegen im Detail: Speicherformat, Aufbau, Offsite-Tauglichkeit und die Frage, wie weh ein verlorener Schlüssel tut. Dieser Artikel vergleicht die drei Kandidaten sachlich.

Warum ein Backup ohne Restore-Test kein Backup ist - typische Fehlannahmen

Die häufigste Fehlannahme lautet, ein fehlerfrei durchgelaufener Backup-Job sei bereits ein Backup. Ein Job, der grün meldet, beweist nur, dass Daten geschrieben wurden - nicht, dass sie lesbar, vollständig und in der richtigen Reihenfolge wiederherstellbar sind. Typische Fehlannahmen in kleinen Umgebungen:

Ein Backup ist erst dann eines, wenn mindestens eine Wiederherstellung geübt und protokolliert wurde. Deshalb behandelt dieser Vergleich die Restore-Praxis als gleichrangigen Punkt.

Die drei Kandidaten als Vergleichstabelle

Die folgende Tabelle fasst die Kernmerkmale zusammen. Angaben zu Speicherformaten und Plattformen beziehen sich auf die zum Redaktionszeitpunkt aktuellen stabilen Versionen; Versionsnummern ändern sich, das beschriebene Prinzip bleibt.

| Merkmal | Restic | Borg | Kopia |

|---|---|---|---|

| Speicherprinzip | Content-adressierte Chunks, Deduplizierung über alle Snapshots | Deduplizierte Chunks in einem Repository, Segment-Dateien | Content-adressierte Chunks, Deduplizierung mit konfigurierbarer Splitter-Größe |

| Snapshot-Format | Eigenes Repository-Format, ein Verzeichnis pro Repo | Eigenes Repository-Format, append-only-tauglich | Eigenes Repository-Format, wahlweise Verzeichnis, S3 oder WebDAV |

| Dateisysteme | Dateisystem-unabhängig, sichert Verzeichnisse | Dateisystem-unabhängig, sichert Verzeichnisse | Dateisystem-unabhängig, optional Dateisystem-Snapshots (Btrfs, ZFS) |

| Plattform | Linux, macOS, Windows, BSD | Linux, macOS, BSD (Windows nur eingeschränkt über WSL) | Linux, macOS, Windows, Docker |

| Aufbau | Einzelne Binärdatei, reine Kommandozeile | Paket oder Binärdatei, reine Kommandozeile | Binärdatei mit Servermodus, GUI, CLI und Weboberfläche |

| Status | Aktives Projekt, breite Distribution | Aktives Projekt, lange Historie, institutionelle Nutzung | Aktives Projekt, jünger, schnelle Entwicklung |

| Besonderheiten | Einfache Offsite-Backends (S3, B2, SFTP), check prüft die Integrität | Effizient bei vielen Änderungen, append-only-Modus gegen Ransomware | Richtlinien pro Ordner, Snapshot-Zeitpläne und Aufbewahrung integriert |

Keines der Werkzeuge ist grundsätzlich überlegen. Restic punktet bei schlankem Offsite-Betrieb, Borg bei sparsamem Speicherverbrauch unter Linux, Kopia bei integrierter Bedienung und Richtlinienverwaltung.

Aufbau und Betrieb: Konfigurationsaufwand, Rechte, Datenbanken

Der Grundaufbau ist kurz. Ein Restic-Repository entsteht mit restic init, ein Borg-Repository mit borg init, Kopia über kopia repository create. Für einen täglichen Lauf genügen wenige Zeilen: ein Aufruf mit Ziel, ein Aufbewahrungsbefehl und ein Zeitgeber in Form eines systemd-Timers oder Cron-Eintrags. Grosse Konfigurationsdateien braucht keines der Werkzeuge.

Administratorrechte sind an einer Stelle unvermeidbar: Wer Systemverzeichnisse wie /etc oder /var/lib sichern will, muss den Lauf mit passenden Rechten ausführen, weil einzelne Dateien nur für root lesbar sind. Ein häufiges Rechteproblem: Wird ein Backup als normaler Benutzer erstellt und als root wiederhergestellt, gehören die Dateien anschliessend dem falschen Eigentümer. Die Wiederherstellung sollte mit derselben Benutzerkennung laufen wie das Backup, oder die Eigentümer werden danach gezielt angepasst.

Laufende Datenbanken stellen alle drei vor dasselbe Problem: Ein reiner Dateisystem-Snapshot einer aktiven PostgreSQL- oder MariaDB-Instanz kann inkonsistent sein. Sauber ist ein logischer Dump vor dem Lauf - pg_dump bei PostgreSQL, mysqldump bei MariaDB - oder ein kurzes Einfrieren des Dateisystems, damit der Snapshot einen konsistenten Stand sieht. Die Reihenfolge lautet: erst Datenbank konsistent sichern, dann Volumes und Konfigurationsdateien.

Offsite und Zweitkopie: Szenarien, Alternativen, Kosten

Eine zweite Kopie am selben Ort schützt nicht vor Brand, Diebstahl oder Überspannung. Für den Offsite-Anteil haben sich mehrere Szenarien bewährt:

Die Kostenfaktoren sind Bandbreite, Speicher und Rechenzeit. Die erste vollständige Übertragung ist immer die größte Last; jede weitere Sicherung überträgt nur geänderte Chunks. Bei mehreren hundert Gigabyte dauert die Erstsicherung über eine übliche Hausanschluss-Bandbreite oft einen oder mehrere Tage. Da Deduplizierung und Kompression die abgelegte Menge deutlich reduzieren, ist die monatliche Speichermiete bei einem Objektspeicher meist gering, häufig im Bereich weniger Euro pro Monat für kleinere Bestände. Preise verschieben sich und sind nur als Preisrahmen zu verstehen, nicht als Zusage.

Restore-Praxis: Datei, Verzeichnis, Komplettrest, Testumgebung

Die Wiederherstellung entscheidet, ob das Konzept trägt. Vier Stufen lassen sich unterscheiden, und alle drei Werkzeuge beherrschen sie:

Zu jedem Test gehört ein kurzes Protokoll: Datum, Umfang, benötigte Zeit, Fehler. Ohne dieses Protokoll wird der Test nicht regelmäßig wiederholt. Für eine kleine Firma bietet es sich an, ihn quartalsweise und nach jeder größeren Änderung an der Backup-Konfiguration einzuplanen.

Aufbewahrung: stündlich, täglich, wöchentlich, Speicherbedarf

Aufbewahrung bestimmt, wie weit zurück ein Datenstand reicht, ohne dass das Ziel vollläuft. Restic nutzt forget --keep-hourly --keep-daily --keep-weekly --keep-monthly; Borg arbeitet mit prune und denselben Intervallen; Kopia verwaltet Aufbewahrungsrichtlinien pro Datenquelle.

Ein bewährter Ausgangspunkt für ein kleines Homelab ist die Großvater-Vater-Sohn-Methode: die letzten Tage, sieben Wochen, zwölf Monate. Entscheidend ist nicht die maximale Frequenz, sondern die Frage, wie viel Datenverlust im Ernstfall verkraftbar ist.

Der Speicherbedarf wächst durch Deduplizierung deutlich langsamer als die Summe der Snapshot-Größen vermuten lässt. Der erste Snapshot belegt den vollen Datenbestand, jeder weitere nur die Differenz. Der Verbrauch ist daher näherungsweise linear zur Menge der echten Änderungen plus einem kleinen Aufschlag für Metadaten. Wer starke Deduplizierung will, sollte Snapshots nicht zu aggressiv löschen, weil das Entfernen die gemeinsam genutzten Chunks erst dann freigibt, wenn kein verbleibender Snapshot sie noch braucht.

Stolperfallen je Lösung

Empfehlung: kleines Büro, Privathomelab, gemischte Umgebung

Unabhängig von der Wahl gilt derselbe Grundsatz: erst sichern, dann prüfen, dann wiederherstellen und das Ergebnis protokollieren. Kein Werkzeug entbindet von dieser Routine.

FAQ

Welches Werkzeug eignet sich für Anfänger ohne Kommandozeilen-Erfahrung?

Kopia ist die zugänglichste Wahl, weil es eine grafische Oberfläche, eine Weboberfläche und Richtlinien pro Ordner mitbringt. Restic und Borg sind reine Kommandozeilenwerkzeuge und setzen etwas Einarbeitung voraus, sind dafür schlanker und weit verbreitet.

Kann ich ein Restic-Backup später mit Borg oder Kopia weiterverwenden?

Nein. Die drei Formate sind nicht untereinander kompatibel. Ein Wechsel erfordert einen neuen vollständigen Lauf in das Zielwerkzeug. Rustic kann zwar Borg-Repositories lesen, ersetzt aber nicht die Migration zwischen den Formaten.

Wie oft sollte ich einen Restore-Test durchführen?

Für ein Homelab genügt ein quartalsweiser Test eines kritischen Datensatzes. In einer kleinen Firma sollte mindestens einmal pro Quartal eine repräsentative Wiederherstellung in einer isolierten VM erfolgen, zusätzlich nach jeder Änderung an der Backup-Konfiguration.

Was passiert, wenn ich den Verschlüsselungsschlüssel verliere?

Ohne Schlüssel oder Passphrase ist das gesamte Repository unlesbar, auch wenn alle Daten vollständig vorhanden sind. Es gibt keinen offiziellen Weg zur Wiederherstellung. Deshalb muss der Schlüssel getrennt und an mehreren Orten aufbewahrt werden.

Sind alle drei Werkzeuge für Offsite-Kopien geeignet?

Ja. Restic und Kopia sprechen S3-kompatible Objektspeicher direkt an, Borg benötigt dafür ein Zusatzwerkzeug wie rclone. In allen Fällen werden die Daten clientseitig verschlüsselt, sodass der Speicheranbieter nur unlesbare Chunks sieht.

Interne Verlinkungen

Veröffentlichungs-Hinweise

Hinweis: Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und enthält keine Affiliate- oder Partner-Links. Alle Angaben entsprechen dem Stand 2026 und können sich ändern.