TrueNAS vs Unraid vs Proxmox: Welches System für dein NAS?
Drei Namen tauchen immer wieder auf, wenn es um den selbstgebauten Speicher im Homelab geht: TrueNAS, Unraid und Proxmox. Dabei ist die Ausgangslage alles andere als gleich — TrueNAS und Unraid sind fertige NAS-Betriebssysteme, Proxmox dagegen eine Virtualisierungsplattform. Wer das versteht, trifft die richtige Entscheidung. Dieser Artikel vergleicht Dateisysteme, RAID-Konzepte, Virtualisierung, Kosten und Hardware-Anforderungen und endet mit einer klaren Empfehlung pro Anwendungsfall.
Was sind die drei Systeme?
TrueNAS ist ein quelloffenes NAS-Betriebssystem, das in zwei Varianten existiert: TrueNAS CORE (auf FreeBSD-Basis) und TrueNAS SCALE (auf Linux/Debian-Basis). Beide setzen konsequent auf das Dateisystem ZFS und liefern eine ausgereifte Weboberfläche für Freigaben, Snapshots, Replikation und Datenintegrität. TrueNAS ist der Spezialist für zuverlässigen, großen Speicher.
Unraid ist ein kommerzielles, aber preiswert lizenziertes NAS-Betriebssystem auf Linux-Basis. Sein Markenzeichen ist das eigene Paritäts-Array: Du kannst Festplatten unterschiedlicher Größe mischen und jederzeit ergänzen, solange die größte Platte als Parität dient. Docker und virtuelle Maschinen sind direkt integriert — Unraid versteht sich als „Apps plus Speicher" in einem.
Proxmox VE ist keine NAS-Software, sondern ein Hypervisor auf Debian-Basis. Er verwaltet virtuelle Maschinen (KVM) und LXC-Container über ein Web-Interface. Ein NAS baust du damit nicht direkt, sondern als virtuelle Maschine (zum Beispiel mit TrueNAS als Gast) — dafür bekommst du maximale Freiheit, beliebige Dienste isoliert auf einer Maschine zu betreiben.
Dateisysteme im Vergleich: ZFS vs BTRFS vs LVM
Der wichtigste Unterschied liegt unter der Haube:
- TrueNAS = ZFS. ZFS bietet Prüfsummen für jede Datei, Snapshots, Kompression und Selbstheilung bei stillen Datenfehlern. Es ist das robusteste der drei Konzepte, verlangt aber RAM (Faustregel: 1 GB pro TB Speicher) und lässt sich nicht trivial um einzelne Platten erweitern.
- Unraid = XFS (optional BTRFS). Die Datenplatten laufen einzeln mit XFS; ein oder zwei Paritätsplatten sichern das Array ab. Dafür verzichtet Unraid auf ZFS-Datenprüfung pro Datei und Selbstheilung — der Preis für die flexible Plattenmischung.
- Proxmox = ZFS oder LVM-thin. Als Hypervisor nutzt Proxmox ZFS (mit denselben Vorteilen wie TrueNAS) oder schlankes LVM-thin für Over-Provisioning. Die Wahl triffst du pro Speicher-Pool selbst.
RAID-Ansatz: fest, flexibel oder gar nicht?
TrueNAS baut auf klassische ZFS-Pools mit RAID-Z (Z1, Z2, Z3). Die Konfiguration legst du beim Anlegen fest; nachträgliches Erweitern eines Pools um einzelne Platten ist nur begrenzt möglich. Dafür ist die Redundanz berechenbar und die Datenintegrität vorbildlich.
Unraid geht den umgekehrten Weg: Sein Array ist kein echtes RAID, sondern ein Paritätsverbund. Der Vorteil ist die extreme Flexibilität — du wirfst einfach eine weitere Platte beliebiger Größe dazu. Der Nachteil: Lese- und Schreibgeschwindigkeit liegen unter einem ZFS-Pool, weil Daten und Parität anders verteilt werden.
Proxmox bringt selbst kein RAID mit. Die Redundanz kommt vom darunterliegenden Speicher: ZFS-Pools, ein Hardware-RAID-Controller oder ein einfaches mdadm-RAID. Du hast volle Kontrolle, aber auch volle Verantwortung.
Docker, LXC oder virtuelle Maschinen?
- Unraid: Docker per Community-Apps-Store mit einem Klick, dazu vollwertige VMs mit GPU-Durchreichung. Für Dienste-Fans die bequemste Lösung.
- TrueNAS SCALE: Container- und App-Verwaltung (Docker-basiert) sowie VMs sind an Bord, fühlen sich aber etwas technischer an als bei Unraid.
- Proxmox: Kein natives Docker, dafür erstklassige LXC-Container und KVM-VMs. Docker betreibst du in einem Container oder einer VM — mehr Aufwand, aber sauber getrennt.
Lizenz und Kosten
TrueNAS und Proxmox sind vollständig open source und kostenlos nutzbar. Proxmox bietet zusätzlich ein optionales Enterprise-Abo für Support und getestete Updates; für den Heimbetrieb genügt das kostenlose Repository. Unraid ist die Ausnahme: Hier zahlst du eine einmalige Lizenz, gestaffelt nach Anzahl der Laufwerke — grob zwischen 60 und 130 Euro je nach Größe. Dafür bekommst du Updates für die gewählte Major-Version.
Hardware-Anforderungen
- TrueNAS: Mindestens 8 GB RAM (mit ZFS lieber 16 GB oder mehr), eine SSD für das System, eine fürs Log oder Cache ist optional. ECC-RAM wird für kritische Daten empfohlen.
- Unraid: Läuft genügsam ab 2 bis 4 GB RAM von einem USB-Stick; mehr RAM hilft VMs und Docker. Ideal für alte oder gemischte Hardware.
- Proxmox: 4 GB RAM Minimum, empfohlen 16 GB aufwärts, dazu eine SSD. Die Anforderungen skalieren mit der Zahl der VMs und Container.
Welches System für welchen Anwendungsfall?
- Reiner, großer Datenspeicher mit maximaler Datenintegrität: TrueNAS. ZFS-Prüfsummen, Snapshots und Replikation sind hier unschlagbar.
- Flexibles Medien- und Backup-NAS mit vielen Docker-Apps: Unraid. Die einfache Platten-Erweiterung und der riesige App-Store machen es zum beliebtesten Allrounder.
- Voller Homelab-Server mit Virtualisierung: Proxmox. Wer mehrere VMs, lokale KI, Firewalls und Dienste parallel betreiben will, bekommt hier die leistungsfähigste Basis — und kann TrueNAS als VM für den Speicher einhängen.
- Einsteiger mit alter Hardware: Unraid oder TrueNAS SCALE, je nach Budget und Lust auf ZFS.
Fazit
TrueNAS, Unraid und Proxmox konkurrieren nur teilweise miteinander. TrueNAS ist der Datenintegritäts-Spezialist, Unraid der flexible Allrounder für Speicher plus Apps, und Proxmox die Virtualisierungsbasis für alles darüber hinaus. Frag dich zuerst, ob dein Fokus auf Speicher oder auf Anwendungen liegt: Für reine Daten greifst du zu TrueNAS oder Unraid, für einen ausgewachsenen Homelab-Server mit vielen Diensten ist Proxmox die richtige Wahl — notfalls mit einem NAS-System als virtuellem Gast obendrauf.
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