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FreshRSS einrichten: Selbstgehosteter RSS-Reader ohne Werbung und Tracking

Wer Nachrichten, Blogs und Podcasts verfolgt, stößt auf ein Problem: Die gängigen Reader sammeln Lesegewohnheiten, zeigen Werbung ein oder verknüpfen Feeds mit persönlichen Daten. Die Alternative ist ein selbst gehosteter RSS-Reader — FreshRSS ist eine der praktischsten Lösungen, die das problemlos auf dem eigenen Homelab-Server laufen lässt.

Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie man FreshRSS mit Docker Compose installiert, Feeds migriert, mobil nutzt und sicher betreibt — ohne auf eine Cloud angewiesen zu sein.

Warum ein eigener RSS-Reader?

RSS (Really Simple Syndication) ist der älteste und zugleich zuverlässigste Mechanismus, um Inhalte von Webseiten zu abonnieren. Ein RSS-Feed ist eine einfache XML-Datei, die von irgendwo im Internet auf den eigenen Server gepullt wird — inhaltlich neutral, ohne Tracker, ohne Login, ohne Algorithmus, der nach Belieben Inhalte sortiert oder unterdrückt.

RSS im Vergleich zu Social Media und Newslettern

Social-Media-Feeds werden von Plattformen nach Eigeninteresse sortiert: Was die Zeit auf der Seite maximiert, bestimmt den Algorithmus, nicht der Nutzer. Newsletter bündeln Inhalte, erfordern aber ein Abo und binden an eine Plattform. Ein selbst gehosteter RSS-Reader kehrt die Perspektive um: Der Nutzer wählt die Quellen, der Server holt sie, und niemand anderes sieht, was gelesen wird.

FreshRSS-Funktionen und Alternativen

FreshRSS ist eine PHP-Anwendung mit Webschnittstelle, die Feeds reinigt, Crawlt, speichert und über ein schlankes Admin-Interface verwaltet. Key-Features:

bekannte Alternativen sind Tiny Tiny RSS (älter, weniger aktiv) und Miniflux (Go-basiert, schlanker, aber funktional ähnlich). FreshRSS liegt ausgewogen zwischen Benutzerf Freundlichkeit und Skriptbarkeit — und wird von einer aktiven Community gepflegt.

FreshRSS mit Docker installieren

Eine frische, reproduzierbare Installation vermeidet Kompatibilitätsfalle, die bei PHP-Basis-Installationen passieren können. Docker Compose ist hier der Standardweg und läuft auf demselben Homelab-Server, der bereits andere Dienste betreibt — sofern dieser überhin Docker (siehe docker-einsteiger) betreibt.

Installation und Ersteinrichtung

Voraussetzungen: Docker Compose, ein Ordner für FreshRSS-Daten (Verzeichnis extern für Persistenz — wichtiges Konzept auch bei docker-compose-best-practices).

Ein typisches docker-compose.yml für FreshRSS:


version: "3.8"

services:
  freshrss:
    image: freshrss/freshrss:latest
    container_name: freshrss
    restart: unless-stopped
    volumes:
      - ./freshrss/data:/var/www/FreshRSS/data
      - ./freshrss/extensions:/var/www/FreshRSS/extensions
    environment:
      - CRON_MIN="*/30"
      - TZ=Europe/Berlin
    ports:
      - "127.0.0.1:8080:80"

Wichtige Punkte:

Nach dem docker compose up -d öffnet der Browser http://localhost:8080. Der erste Schirm zeigt die Sprachwahl und ein Setup-Formular. FreshRSS empfiehlt, einen Admin-Account anzulegen und die Standardkonfiguration zu bestätigen — danach landet man in der Weboberfläche.

Authentifizierung und Zugriff

Per Default akzeptiert FreshRSS Login. Für mehr Schutz lässt sich zusätzlich der Reverse-Proxy-Authentifizierungsschicht steuern. Falls mehrere Personen am selben Server lesen, können in der Admin-Oberfläche separate Nutzer angelegt werden, die jeweils nur ihre eigene Feedliste sehen.

Eine wichtige Sicherheits-Regel, die auch bei anderen Diensten gilt: Nicht ohne Authentifizierung publizieren. Wer FreshRSS direkt auf dem Port 80 des Homelab-Servers ohne Reverse-Proxy und ohne Auth drückt, exponiert die Feedliste — nicht dramatisch, aber vermeidbar. Details zur Absicherung sind in homelab-sicherheit-guide.

Feeds importieren und verwalten

Der größte Arbeitsschritt nach der Installation ist die Menge der Feeds. FreshRSS übernimmt bestehende Abonnements über einen OPML-Import — das Standardformat, das alle gängigen Reader exportieren können.

OPML-Import und Kategorien

In der Weboberfläche findet sich unter "Abonnement" → "Importieren" ein Feld für die OPML-Datei. Nach dem Upload prüft FreshRSS die URLs, sortiert Fehler in eine eigene Liste und startet den ersten Crawl.

Empfehlung: Kategorien vorab anlegen — z.B. "Nachrichten", "Technik", "Sumpf/Seminar", "Podcasts". Kategorien helfen beim Scrollen (und beim Filtern) und strukturieren das Verzeichnis. Auch die Kategorien-Einstellung ist einer der wenigen Punkte, die man beim ersten Mal intuitiv falsch machen kann — danach ist es bloß Wartung.

Filter und Volltext-Extraktion

Viele Webseiten liefern nur Teaser-Feeds — also kürzere Auszüge statt des kompletten Artikels. Für Viele Leser ist das Grund genug, einen Feed gar nicht zu abonnieren. FreshRSS kann mit einem internen Volltext-Plugin diese Feeds ergänzen: Es schickt eine Anfrage auf die zugrundeliegende Webseite und extrahiert den Artikel aus dem HTML.

Das Plugin ist nicht für alle Seiten gleich gut (manche Webmaster bauen JS-Inhalte oder paywalls, die ebenfalls blockieren), aber für eine breite Zahl von Blogs und Nachrichtenseiten funktioniert es gut genug. In der Plugin-Verwaltung findet sich die Einstellung, welcher Volltext-Provider genutzt wird.

Weiterhin können Filter definiert werden, die z.B. bestimmte Keywords automatisch als "Gelesen" markieren oder Feeds in bestimmten Kategorien auf privat setzen.

Mobile Apps anbinden (WebDAV / API)

Die Desktop-Oberfläche von FreshRSS läuft gut im Browser, aber man liest Nachrichten oft auf dem Handy oder unterwegs. FreshRSS ist nicht mit einer "offiziellen App" ausgeliefert, aber es gibt genügend Wege, Inhalte zu mobilen Clients zu bringen.

Der praktischste Weg: WebDAV- oder API-Zugriff. Die Weboberfläche kann als einfach zu bedienender Reader dienen, während ein Sync-Tool Feeds in eine andere Anwendung kopiert.

Exemplarisch genutzte Kombinationen:

Für Hetzner- oder netcup-VPS Nutzer, die FreshRSS nicht lokal sondern extern hosten wollen, ist ein VPS ebenfalls eine Option — statisch und erreichbar, ohne den eigenen Server im Betrieb zu belasten. Vergleich von VPS-Angeboten: vps-vergleich.

Updates und Backup

Weil FreshRSS ein PHP-Plugin mit Datenbank-Inhalten (Feeds, Markierungen) ist, sind die zwei Betreuungsaufgaben regelmäßig:

1. Container-Image updaten: docker compose pull geht das Image aktuell; docker compose up -d startet die neue Version. Sofern die App so designed ist, gibt es keine Mindeständerungen — das Daten-Volumen bleibt unberührt.

2. Daten-Backup: Der data-Ordner (Feed-Daten, Einstellungen, ggf. Extensions) muss extern gesichert werden. Für Homelab-Server mit Proxmox als Virtualisierungsschicht kann Proxmox-Backup-Server das Image-Snapshot-Verfahren nutzen (proxmox-backup-server); alternativ eine einfach getsicherte Kopie des Ordners.

Backs-up-Strategie allgemein: backup-3-2-1.

Schluss: Warum FreshRSS ins Homelab gehört

Ein selbstgehosteter RSS-Reader klingt auf den ersten Blick wie ein kleiner Dienst — und ist es auch; aber genau die Eigenschaft "klein und selbst kontrollierbar" macht ihn wertvoll. Er eliminiert eine Abhängigkeit zu Tracking-basierten Plattformen, er funktioniert offline, wenn der Feed einmal nicht erreichbar ist (gecached), und er belegt kaum Ressourcen auf einem Homelab-Server.

Für Einsteiger, die mit Docker und einem Reverse-Proxy bereits vertraut sind (siehe homelab-einrichten-guide), ist FreshRSS ein Gartenweg — installieren, OPML importieren, lesen.


Kategorie: Homelab-Dienste · Self-Hosting · Docker

> Hinweis: Alle Angaben zu Ressourcenverbrauch und Konfiguration sind Richtwerte. Je nach Feed-Menge und Update-Intervall kann die CPU- und Speichernutzung variieren.

Hinweis: Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und enthält keine Affiliate- oder Partner-Links. Alle Angaben entsprechen dem Stand 2026 und können sich ändern.